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Die richtige Calciummenge für Welpen

Die Calciumversorgung beunruhigt insbesondere im Wachstum sehr viele Tierhalter, vor allem, wenn der Hund gebarft werden soll. Bei BARF wird die Calciumversorgung über die Fütterung von Knochen sichergestellt. Diese liefern nicht nur Calcium in organischer Form, sondern auch das für das Knochenwachstum wichtige Phosphat. Beides in Form von Hydroxylapatit, was vom Körper ideal aufgenommen werden kann.

Calciumversorgung mit BARF

Unser BARF-Rechner ermittelt den für Welpen richtigen Anteil an s. g. rohen, fleischigen Knochen (RFK). Hierbei wird die Art der Knochen berücksichtigt. Werden gemischte RFK (z. B. weiche wie Hühnerhälse, und harte wie Lammrippen) füttert und 20 % RFK, wenn man ausschließlich weiche RFK (z. B. nur Hühnerhälse, Hühnerkarkassen) verwendet. Diese Menge spiegelt den Aufbau eines Beutetiers wider. Der Rechner ermittelt den optimalen Anteil automatisch, je nachdem, welche Knochenart ausgewählt wird.

Auch ein Futterplan ohne Knochen ist möglich. In dem Fall wird automatisch ein Calciumsupplement in den Plan integriert. Hier empfiehlt sich Knochenmehl, da es nicht ausschließlich Calcium, sondern auch Phosphat liefert. Supplemente wie Algenkalk oder Eierschalenpulver liefern fast nur Calcium, was meist nicht sinnvoll ist und einen Phosphatmangel erzeugt.

Der BARF-Rechner für Welpen ermittelt die Menge des Calciumsupplements nicht auf Basis der wissenschaftlichen Bedarfswerte, sondern folgendermaßen: Er geht erst einmal davon aus, dass der Hund die o. g. Menge an RFK bekommt  und demnach davon, dass mit diesen RFK eine durchschnittliche Menge an Calcium zugeführt werden würde. Diese Menge ersetzt der Rechner dann durch das gewählte Supplement. Er werden also die RFK 1:1 ersetzt, ohne mit Bedarfswerten zu rechnen. Wundern Sie sich also nicht, dass die angegebene Supplementmenge sich von dem unterscheidet, was möglicherweise auf der Packung des Produkts steht oder sich nach Berechnung eines Bedarfswertes ergibt.

Warum nicht einfach mit Bedarfswerten rechnen?

Wie bereits erwähnt, liefert BARF organische Calciumverbindungen. Fertigfutter werden eher anorganische Verbindungen eingesetzt wie Calciumcarbonat, die eine wesentlich geringere Bioverfübarkeit aufweisen. Hinzukommt, dass im Fertigfutter Stoffe enthalten sind, die mit dem Calcium (und auch anderen Mineralstoffen) Komplexe bilden, sodass die Aufnahme des jeweiligen Nährstoffs gehemmt wird. Zu diesen diätischen Antagonisten zählt auch Phytinsäure. Das ist ein Stoff, der als Phytat z. B. in Getreide oder Soja vorkommt. Befindet sich viel Phytat im Futter, so steigt der Calciumbedarf des Tieres an – denn ein Teil des Calciums kann einfach nicht aufgenommen werden, sondern wird ungenutzt ausgeschieden.

Schaut man sich die Studien an, anhand derer die wissenschaftlichen Bedarfswerte ermittelt wurden, so fällt auf, dass das verabreichte Futter sich grundsätzlich von BARF unterscheidet.

Die Nahrung der Pudel-Welpen aus der Studie von Nap at al. (1991) setzte sich pro 100 g z. B. folgendermaßen zusammen:

  • Kartoffelstärke: 25 g
  • Weizenmehl: 19 g
  • Maisfuttermehl: 12,5 g
  • Sojamehl: 8,7 g
  • Vitaminmischung: 6 g
  • Talg: 6 g
  • Blutmehl: 5,2 g
  • Kasein: 4,8 g
  • Maisgluten: 5 g
  • Zucker: 5 g
  • Sojaöl: 2 g
  • Cellulose: 1 g
  • BHT: 0,1 g

Die Doggen-Welpen von Hazewinkel et al. (1991) bekamen pro 100 g:

  • Mais / Kartoffelstärke- Mischung: 49,1 g
  • Sojamehl: 10,0 g
  • Talg: 6,8 g
  • Blutmehl: 6,2 g
  • Maisgluten: 6,2 g
  • Vitamin Mischung: 6,0 g
  • Casein: 5,7 g
  • Zucker: 5,0 g
  • Sojaöl: 2,0 g
  • DL-Methionin: 2,0 g
  • Cellulose: 2,0 g

Die Doggen-Welpen von Nap. et  al. (1991) erhielten pro 100 g:

  • Kartoffelstärke: 21,5 g
  • Weizenmehl:  14,7 g
  • Sojamehl: 13,6 g
  • Blutmehl: 8,1 g
  • Maisgluten: 8 g
  • Maisfuttermehl: 8 g
  • Kasein: 7,8 g
  • Vitaminmischung: 6 g
  • Talg: 5,9 g
  • Zucker: 2,5 g
  • Sojaöl: 2 g
  • Cellulose: 1 g
  • Lysin: 0,4 g
  • BHT: 0,1 g

Es wird deutlich, dass diese Futtersorten zu einem Großteil aus Futtermitteln bestanden, in denen Phytat enthalten ist (Weizen, Soja, Mais). Ein Welpe, der ein solches Futter bekommt, hat naturgemäß einen höheren Bedarf an Calcium (und auch anderen Nährstoffen) als ein Hund, der gebarft wird. Daher muss die Zufuhr von Calcium bei einer BARF-Ration geringer sein als für ein handelsübliches Fertigfutter. Führt man gebarften Welpen genau so viel Calcium zu wie es für Tiere gedacht ist, die mit Fertigfutter ernährt werden, führt das möglicherweise zu einer Überversorgung.

Die Nachteile überhöhter Calciummengen

Eine überhöhte Calciumzufuhr ist nachteilig, insbesondere im Wachstum. Im Gegensatz zu erwachsenen Hunden scheinen Welpen die Calciumaufnahme aus der Nahrung nur ineffizient regulieren zu können. Bei einem hohen Calciumgehalt in der Nahrung nehmen Welpen mehr davon auf als erwachsene Tiere und speichern es. Eine Studie zeigte, dass bei jungen Hunden (unter 6 Monaten) eine überhöhte Calciumzufuhr, zu einer verstärkten Knochenmineralisierung und außerdem einer Verkalkung von Muskulatur und dem Fettgewebe führen kann. Es kommt also zu Weichteilverkalkungen. Dabei sammelt sich Calcium auch in den Gelenken an, sodass hier mit Entwicklungsstörungen und Schmerzhaftigkeit zu rechnen ist. Außerdem können die Blutgefäße verstopfen, was zu Herz- und Lungenkrankheiten bei den Tieren führt. Eine konstant überhöhte Calciumzufuhr, auch wenn sie nur in geringen Ausmaßen stattfindet, ist sehr schädlich für die Entwicklung des Skeletts, insbesondere bei großen Rassen. Studien zeigen, dass die Knochen dicker und dichter werden. Knochenwachstumsfehler und Gelenkentwicklungsproblemen sind die Folge, insbesondere Gelenkerkrankungen wie ein fragmentierter Processus coronoideus (FCP), Osteochondritis dessicans (OCD) oder Hüftgelenksdysplasie (HD).