Getreide bei BARF

von: Nadine Wolf | Lesedauer: 8 Minuten | veröffentlicht am: 06.07.21

Getreide, Pseudogetreide oder Kartoffeln kommen in großen Mengen in Trockenfutter vor.  Diese Komponenten dienen hauptsächlich als Kohlenhydrat- und demnach Energielieferanten und finden sich in dieser Form nicht in der natürlichen Nahrung eines Raubtieres wieder. Daher ist bei BARF in der Regel kein Getreide enthalten, bei Franken Prey ist es nie ein Bestandteil. Hunde haben ‒ ebenso wie Wölfe ‒ keinen Kohlenhydratbedarf, sind jedoch in der Regel in der Lage, Kohlenhydrate zu verwerten. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Großteil der Futterration aus diesen Futtermitteln bestehen sollte, da sie auch Nachteile mit sich bringen (z. B. Zahnstein, erhöhtes Risiko von Magendrehungen – siehe unten) und zudem von manchen Hunden nicht oder nur in begrenzten Mengen vertragen werden. Einige Hunde haben mit glutenfreien Getreidesorten weniger Probleme als mit glutenhaltigen.

Viele Rohfütterer neigen dazu, Getreide komplett abzulehnen. Für Katzen ist das auch richtig so, denn diese sind  anatomisch nicht dazu ausgestattet, Kohlenhydrate effizient zu verdauen. Bei Hunden sieht das etwas anders aus. Solange ein Hund diese Futtermittel verträgt, können sie in geringen Mengen eingesetzt werden. Manche Hunde mögen Getreide recht gerne und gerade für Hunde, die permanent Hunger haben, oder ständig unter Untergewicht leiden und nicht zunehmen, kann Getreide eine gute Ergänzung sein.

Getreide muss stets gekocht bzw. aufgeschlossen (z. B. in Form von Flocken) gefüttert werden, sonst können Hunde es nicht verwerten. Der Anteil an der Gesamtration sollte dabei in gekochtem Zustand maximal 10–15 % betragen.

Getreidekörner, -flocken und -mehle liefern neben Energie in Form von Kohlenhydraten und etwas Protein eine Reihe von Mineralstoffen und Vitaminen, jedoch beinhalten sie auch Substanzen, sogenannte diätische Antagonisten (z. B. Phytat), die die Bioverfügbarkeit bestimmter Nährstoffe sehr stark beeinflussen können. So hemmen diese antinutritiven Substanzen die Aufnahme von Calcium, Magnesium, Eisen, Mangan und Zink, sodass der teilweise hohe Gehalt an diesen Nährstoffen in Getreide letztendlich dem Organismus nicht zur Verfügung steht. Das trifft auch auf Pseudogetreide zu. Achtung, durch die Getreide-Gabe erhöht sich daher der RFK-Anteil in der Ration! Unsere BARF-Rechner berücksichtigen das automatisch.

Häufige Fragen

Welches Getreide kann ich füttern?

Beispiele für Getreide:

Hafer, Hirse (glutenfrei), Roggen, Dinkel, Reis (glutenfrei), Gerste

Beispiele für Pseudo-Getreide (glutenfrei):

Amaranth, Quinoa, Buchweizen

Hat die Getreidefütterung Vorteile?
Die Ration mit Getreide, Pseudogetreide oder Kartoffeln anzureichen hat den Vorteil, dass der Napf voller erscheint. Die Kohlenhydrate in diesen Komponenten liefern wesentlich weniger Energie als Fette: 50 g Fett in einer Ration können aus Sicht der Energieversorgung durch 650 g gekochte Kartoffeln oder 400 g gekochten Reis ersetzt werden. Bei manchen Hunden führt das zu einer verbesserten Sättigung, vor allem aber sieht der Napf für den Besitzer voller aus. Allerdings bringen große Portionen auch Nachteile mit sich, weshalb die Menge normalerweise begrenzt wird.

Auch sind Kohlenhydrate dann sinnvoll, wenn das Tier erkrankungsbedingt Fette und / oder Proteine nur sehr begrenzt verstoffwechseln kann (z. B. bei einem Lebershunt). Da es in solchen Fällen keine Alternative gibt, werden die Nachteile größerer Kohlenhydratmengen in der Ration in Kauf genommen.

Hat die Getreidefütterung Nachteile?

Es gibt einige Punkte, die gegen einen hohen Kohlenhydratanteil in der Hundenahrung sprechen, wie z. B. dass Kohlenhydratlieferanten

  • nährstoffarm sind und durch starken Einsatz nährstoffreiche Futterkomponenten (z. B. Innereien) aus der Ration verdrängen, sodass Nährstoffmängel entstehen können,
  • die Entwicklung von Zahnsteinbegünstigen,
  • die Gefahr für Magendrehungenerhöhen,
  • die schwer verdauliche Kohlenhydrate liefern (z. B. erkaltete Kartoffelstärke, Maniok-Stärke, Stärke aus Bananen), die Eiweißverdauung teilweise vom Dünndarm in den Dickdarm verschieben, was zur erhöhten Ausschüttung von zelltoxischem Ammoniak führt,
  • den Rohfasergehalt der Ration erhöhten, sodass die Verdaulichkeit des Futters insgesamt sinkt,
  • von Welpen bis zu einem Alter von 4 Monaten aufgrund fehlender Enzymausstattung in der Bauchspeicheldrüse nicht gut verwertet werden können,
  • von vielen Hunden aufgrund allergischer Reaktionen nicht vertragen werden,
  • das Wachstum vorhandener Tumore stimulieren, weil die daraus gewonnene Glukose im Gegensatz zu Fetten von Krebszellen als primäre Energiequelle genutzt wird.

Speziell auf Getreide / Pseudogetreide trifft außerdem zu, dass darin enthaltene antinutritive Stoffe wie

  • Phytat den Bedarf an Nährstoffen wie z. B. Calcium, Eisen, Magnesium, Zink etc. durch die reduzierte Bioverfügbarkeit erheblich steigern,
  • Alpha-Amylase-Hemmer und Protease-Hemmer schädliche Zellveränderungen in der Bauchspeicheldrüse hervorrufen, die zur Entstehung von Krebs führen können,
  • Lektine eine Bauchspeicheldrüsenvergrößerung sowie Veränderung der Dünndarmzellen hervorrufen können.

Während bei den letzten drei Substanzen recht große Mengen aufgenommen werden müssen, um negative Effekte zu erzeugen, hat Phytat auch in geringeren Mengen Praxisrelevanz, sodass Tiere, die viel Getreide zu sich nehmen, einen erhöhten Nährstoffbedarf aufweisen, der dann mit den nährstoffarmen, kohlenhydratreichen Rationen nicht gedeckt werden kann. Wie man außerdem sehen kann, ist nicht nur Getreide problematisch, wenn es um die Nachteiligkeit solcher Futtermittel geht, sondern auch andere Stärkelieferanten.

Gibt es Besonderheiten bei Welpen?

Erwachsene Hunde sind zwar im Stande, Kohlenhydrate sogar in recht großen Mengen zu verstoffwechseln, dies trifft jedoch nicht auf Welpen zu. Diese Fähigkeit entwickeln Hunde erst im Alter von 3–4 Monaten. Vorher produzieren sie nicht genügend Amylase. Dabei handelt es sich um ein Enzym, welches in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Es dient der Kohlenhydratverdauung. Weil Welpen nicht so viel Amylase produzieren können wie erwachsene Tiere, ist es nicht sinnvoll, ihnen einen hohen Kohlenhydratanteil zu füttern. Aus diesem Grund enthalten Futterpläne für Welpen immer nur sehr geringe Mengen an Getreide. Das wird auch in unserem BARF-Rechner für Welpen berücksichtigt.

Quellen:
Meyer/Zentek (2013): Ernährung des Hundes
Cordain, L. (2011): Das Getreide – Zweischneidiges Schwert der Menschheit
Zentek, J. / Hellweg, P. (2005):Risikofaktoren im Zusammenhang mit der Magendrehung des Hundes