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Mythos: Welpen benötigen mehr Knochen!

Die Calciumversorgung ist ein Thema, was viele Hundehalter umtreibt. Kein anderer Nährstoff scheint so wichtig zu sein wie dieser Mineralstoff, vor allem im Wachstum. Daher wird gern behauptet, Welpen bräuchten per se 20 % RFK vom Anteil tierischer Produkte. Es gibt sogar Empfehlungen in Richtung 30 oder gar 75 % und mehr (!). Diese Fehlinformation beruht vermutlich auf falschen Annahmen.

Typisch für BARF ist, gemischte RFK, also sowohl harte und als auch weiche Knochen einzusetzen. Darauf bezieht sich der üblicherweise für die Ration angegebene Anteil von 15 % bezogen auf die tierischen Produkte. Werden ausschließlich weiche RFK eingesetzt (z. B. weil der Hund harte nicht verträgt), so erhöht sich der Anteil auf 20 %. Diese Anpassung ist sowohl bei Welpen vorzunehmen als auch bei erwachsenen Hunden und hat einfach mit der Mineralstoffdichte der RFK zu tun. Da Welpen in der Regel, vor allem anfangs, Hühnerhälse und –flügel & Co. bekommen, ist es bei den meisten Welpen so, dass tatsächlich 20 % RFK gefüttert werden sollten. Das hat aber mit der Art der RFK zu tun und nichts mit der Tatsache, dass es sich um einen Welpen handelt.

Weiche RFK wie Hühnerhälse haben ca. 1.500 mg Calcium pro 100 g, härtere RFK wie Rinderbrustbein hingegen 2.900 mg, Lammrippen sogar noch mehr. Es ist vor diesem Hintergrund leicht nachvollziehbar, dass die RFK-Menge erhöht füttern muss, wenn härtere Knochen nicht und stattdessen nur weiche RFK eingesetzt werden.

Manchmal fußt die Argumentation, dass der RFK-Anteil erhöht werden sollte, auch auf bestimmten Nährwertangaben. Je nach Quelle unterscheiden die sich stark. Meyer / Zentek empfehlen z. B. für Welpen 355–585 mg Calcium pro kg Körpermasse – je nach Endgewicht. Will man diese Menge beispielsweise bei einem 10 kg schweren Ridgeback-Welpen erreichen, der nur weiche RFK verträgt, müsste der Anteil tierischer Produkte zu 90 % nur aus RFK bestehen. Abgesehen davon, dass der Hund davon sicherlich eine Verstopfung bekäme, muss erwähnt werden, dass diese hohen Bedarfswerte für industrielles Futter gelten oder selbstgemachte Rationen mit 55 % Getreideanteil. Hier spielt das Thema Bioverfügbarkeit eine Rolle.

Das NRC gibt z. B. einen Bedarfswert für Calcium in Höhe von 3.000 mg pro 1.000 kcal Futter für Welpen an. Dieser Wert lässt sich mit 15 % gemischten RFK locker oder 20 % weichen RFK knapp, aber durchaus realistisch erreichen. Es besteht also kein Grund zur Sorge, dass der Welpe mit 15 % gemischten RFK unterversorgt wäre, zumal auch dieser Bedarfswert Sicherheitsaufschläge enthält und von einer Bioverfügbarkeit von 50 % ausgeht, die bei BARF weit übertroffen wird. Eine Überversorgung mit Calcium kann für Welpen sehr nachteilig sein.

Auch der Blick in die Natur bestätigt dieses Vorgehen: Ein typisches Beutetier besteht zu gewissen Teilen aus Knochen und dieser übersteigt bestimmte Werte nicht. So beträgt der Knochenanteil in einem Kaninchen z. B. 7,5 % vom Körpergewicht (daher stammen auch die 15 % RFK (= ½ Knochen, ½ Fleisch). Es gibt in der Natur keine Spezial-Welpen-Beutetiere mit höherem Knochenanteil, daher gibt es auch keinen Grund, Welpen generell mehr RFK zu geben oder gar noch weitere Calciumsupplemente zu ergänzen.