Muskelfleisch und Fisch beim Barfen

von: Nadine Wolf | Lesedauer: 6 Minuten | veröffentlicht am: 02.07.21

Muskelfleisch

Barfen MuskelfleischDen größten fressbaren Anteil der Beute stellt das Muskelfleisch dar. Daher ist der vom BARF-Rechner ermittelte Anteil an Muskelfleisch mit 50 % der tierischen Zutaten recht hoch. Diese Komponenten liefern vor allem hochwertiges Protein, also Aminosäuren in optimaler Zusammensetzung und natürlich eine ganze Reihe wertvoller Nährstoffe (z. B. Phosphor, Magnesium, Eisen, Kalium, Zink, Mangan, Jod und verschiedene Vitamine) sowie essenzielle Fettsäuren und Energie in Form von Fett. Außerdem besteht Muskelfleisch zu ca. 75 % aus Wasser, sodass es auch zum Wasserhaushalt des Hundes beiträgt.

Wie hoch ist der Anteil in der Ration?

Verringert man den Anteil dieser Komponente zu stark oder ersetzt sie durch minderwertige, bindegewebsreiche Schlachtabfälle, so fehlen dem Hund essentielle Aminosäuren bzw. gewisse Mineralstoffe und Vitamine. Außerdem sinkt der Energiegehalt der Ration möglicherweise ab, denn durchwachsenes Muskelfleisch liefert den für den Beutefresser natürlicherweise einzig zugänglichen Energieträger, nämlich Fett. Beim Muskelfleisch kommt es auf Abwechslung an. Es ist nicht nötig, von Antilope bis Wachtel jede Art von Fleisch zu füttern, aber Fleisch von 2‒3 Tierarten ist vorteilhaft.

Stückig oder gewolft?

Es ist außerdem sinnvoll, möglichst Fleisch am Stück zu kaufen und nur in begründeten Fällen gewolftes Muskelfleisch zu füttern. Stückiges Fleisch weist eine längere Haltbarkeit aufgrund geringerer bakterieller Belastung auf. Außerdem hat es eine höhere Verdaulichkeit, weil es länger im Magen bleibt als stark zerkleinertes Fleisch. Das senkt das Risiko einer Magendrehung. Außerdem ist bei gewolftem Fleisch oft nicht wirklich ersichtlich, ob es sich um hochwertiges Muskelfleisch, oder aber um bindegewebsreiche Fleischteile handelt, die nur in Maßen gefüttert werden sollten.

Der Fettanteil ist wichtig!

ACHTUNG! Ein angemessener Fettanteil im Muskelfleisch ist wichtig! Denn eine zu energiearme Fütterung ist für Hunde gesundheitsschädlich. Zwar können sie auch Proteine zur Energieversorgung heranziehen, aber dabei kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Ammoniak und Aminen, die den Organismus belasten. Dabei werden Leber und Nieren geschädigt, was sich oft in veränderten Blutwerten niederschlägt. Aus diesem Grund ist es wichtig, ausreichend Fett (oder Kohlenhydrate) als Energielieferanten zuzuführen. Man sollte nicht dauerhaft zu mageres Fleisch füttern, sondern beim gesunden Hund immer auf einen Fettanteil von 15‒25 % im Fleisch achten (mehr dazu im Artikel über Fett).

Beispiele für Muskelfleisch

Muskelfleisch von Rind, Huhn, Pute / Truthahn, Ente, Gans, Ziege, Lamm, Schaf / Hammel, Pferd, Kalb, Kaninchen, Hirsch, Reh, Rentier, Elch, Fasan, Wildhase sowie Exoten (Antilope, Strauß, Kamel, Känguru, Springbock, Lama), Büffel und weitere

Spezielle Bezeichnungen für Muskelfleisch können auch sein: Stichfleisch, Kopffleisch, Kronfleisch, Saumfleisch, Zwerchfell, Maulfleisch, Lefzen, Peesenfleisch, Schlundfleisch, Zunge, Mägen von Geflügel

Nicht zum Muskelfleisch zählen:

  • Bindegewebsreiche Schlachtabfälle (Schlund, Hoden, Euter, Schwarten, Ohren, Darm, Grieben, Ochsenziemer, Haut)
  • Innereien wie Leber, Niere, Milz, Lunge
  • Knorpel wie z.  Luftröhre, Kehlkopf
  • Pansen / Blättermagen

ACHTUNG! Schweinefleisch (vor allem Wildschwein) aus Europa, Asien sowie einigen nord- und südamerikanischen Regionen  darf nicht roh verfüttert werden! Es kann das Aujeszky-Virus enthalten, das eine für Hunde tödliche Krankheit hervorruft. Zwar gelten die Haus- und Mastschweinbestände einiger Länder, darunter auch Deutschland, als Aujeszky-frei, jedoch sind Wildschweine in diesen Ländern immer noch betroffen. Das Virus wird inaktiviert, wenn das Schweinefleisch lange genug gekocht wird (100 °C < 1 min, 80 °C > 3 min). Dann kann auch das verfüttert werden.

Fisch

Fisch im BARF-RechnerAls optionale Variante der Muskelfleischfütterung kann auch Fisch dienen. Hierbei kann sowohl auf Süß- als auch auf Salzwasserfische zurückgegriffen werden. Diese liefern neben hochwertigem Eiweiß oftmals auch einen höheren Gehalt an Omega-3-Fettsäuren als Muskelfleisch, jedoch häufig weniger Zink und Eisen. Einige Salzwasserfische weisen zudem einen besonders hohen Gehalt an Vitamin D auf. Ersetzt man die Muskelfleischportion einmal pro Woche durch solchen Fisch, ist der Vitamin-D-Bedarf des Hundes gedeckt und es muss kein Lebertran gefüttert werden. Vor dem Hintergrund der Belastung von Gewässern mit Schwermetallen wie etwa Quecksilber oder anderen Schadstoffen sowie der Überfischung der Weltmeere sollte aber auf die Herkunft des Fisches geachtet werden.

Beispiele für thiaminasefreien Fisch

Dorsch, Heilbutt, Lachs, Makrele, Dorade, Rotbarsch, Scholle, Seehecht, Bachforelle, Seeforelle, Regenbogenforelle und Flussbarsch.

Beispiele für Fisch mit viel Vitamin D

Sprotten, Hering, Lachs, Sardellen, Forelle

ACHTUNG! Einige Fischsorten enthalten ein Enzym namens Thiaminase. Es vernichtet Vitamin B1 und kommt z. B. in Karpfen, Hering, Kabeljau, Flunder, Seelachs, Wels, Wittling, Zander oder Thunfisch vor. Hauptsächlich befindet es sich in den Innereien der Fische, aber auch das Filet weist geringe Mengen davon auf. Bei einseitiger bzw. sehr häufiger Fütterung solcher Fische kann ein Vitamin-B Mangel entstehen. Thiaminase wird allerdings durch Erhitzen zerstört.