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Mythos: Das Calcium:Phosphor-Verhältnis muss 1,2:1 betragen!

Die Annahme, das Calcium:Phosphor-Verhältnis sei entscheidend für die Calciumverwertung, hält sich noch immer hartnäckig. Daher finden sich häufig Futterpläne, in denen zusätzlich zu den Knochen noch isolierte Calciumgaben über die Fütterung von Eierschalen, Algenkalk oder ähnlichem erfolgen. Dies gilt heute als überholt.

Was sagt die Wissenschaft?

Früher ging man tatsächlich davon aus, dass zu viel Phosphor in der Nahrung die Calciumaufnahme behindert, weswegen man dazu riet, etwas mehr Calcium zuzuführen als Phosphor. Bereits seit Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrtausends gilt als belegt, dass der Phosphorgehalt der Nahrung keinen Einfluss auf die Calciumabsorption hat.

Das NRC schreibt dazu:

Das ernährungsbedingte Ca:P-Verhältnis ist ein weiterer Faktor, der die Aufnahme von Ca beeinflussen kann. Angesichts vernünftiger Konzentrationen beider Mineralstoffe in der Nahrung deuten neuere Studien jedoch darauf hin, dass dies keinen signifikanten Einfluss auf die Ca-Aufnahme hat.

Dennoch fügen nach wie vor Tierhalter Calcium, z. B. in Form von Eierschalenpulver hinzu, um das Ca:P-Verhältnis auszugleichen – das ist absolut unnötig und ggf. sogar kontraproduktiv.

Denn zwar beeinflusst der Phosphorgehalt der Nahrung nicht die Calciumaufnahme, aber je weiter das Ca:P-Verhältnis ist, also je mehr Calcium als Phosphor zugeführt wird, desto geringer ist die Phosphoraufnahme. Wenn man also mittels isolierter Calciumzugaben das Verhältnis verändert, riskiert man am Ende einen Phosphormangel beim Welpen. Dies kann zu Problemen mit der Skelettentwicklung führen.

Das Calcium:Phosphor-Verhältnis in der Natur

Auch ein Blick in die Natur zeigt, dass ein exaktes Calcium-Phosphor-Verhältnis von 1,2:1 eher keine entscheidende Rolle spielt. Wolfswelpen werden in den ersten Wochen nach dem Absetzen von der Muttermilch i. d. R. durch die Elterntiere ernährt, die dann gleichzeitig auch ranghoch sind. Tendenziell fressen diese Tiere also auch zuerst mit an der Beute. Es gibt Untersuchungen dazu, in welcher Reihenfolge große Beutetiere von Wölfen gefressen werden. Zuerst wird der Bauchraum geöffnet und Innereien wie Leber werden gefressen, dann werden große Brocken Muskelfleisch herausgerissen. Erst zum Schluss werden Knochen aufgenommen, wenn überhaupt, denn meist bleibt die Hälfte der Knochen einfach liegen, zumindest bei großen Beutetieren.

Wenn nun die Elterntiere eher zuerst als zuletzt fressen, wie viele Knochen werden sie dann wohl aufnehmen und den Welpen hervorwürgen? Richtig, eher geringe Mengen. Die Nahrung von Wolfswelpen dürfte also eher phosphatüberschüssig sein als umgekehrt. In der Natur sind auch kaum isolierte Calciumquellen wie etwa Eierschalen zu finden, um ein bestimmtes Ca:P-Verhältnis herbeizuführen.

Bei BARF-Rationen werden Knochen entsprechend des Vorbilds Natur in angemessener Menge zugeführt. Damit erreicht man ein Ca:P-Verhältnis zwischen 1,2 und 1:1, was vollkommen ausreichend ist, um eine angemessene Versorgung mit beiden Mineralstoffe, nämlich Calcium und Phosphat sicherzustellen. Unser BARF-Rechner für Welpen berücksichtigt dies.