Warum füttert man Lebertran?

von: Nadine Wolf | Lesedauer: 5 Minuten | veröffentlicht am: 02.07.21

Lebertran beim BARF-Rechner
Unsere BARF-Rechner schlagen eine geeignete Menge Lebertran vor. Die Funktion kann natürlich deaktiviert werden. Aber warum sollte man überhaupt Lebertran füttern? Lebertran ist ein guter Vitamin-D-Lieferant. Zwar enthält er auch Vitamin A und einige essenzielle Fettsäuren, aber die Hauptaufgabe des Supplements beim Barfen kommt dem Vitamin D zu. Vitamin D ist wichtig für die Aufnahme von Calcium, aber es ist nicht nur am Knochenstoffwechsel beteiligt, sondern spielt auch eine wichtige Rolle für das Immunsystem, für die Blutgefäße und die Zelldifferenzierung. Ein zu niedriger Vitamin-D-Spiegel erhöht das Risiko von Herzerkrankungen, IBD und Krebs beim Hund. Leider werden die Folgen eines Vitamin-D-Mangels nicht sofort augenscheinlich – er kann zum Beispiel Jahre später die Entstehung der genannten Erkrankungen begünstigen. Ein Vitamin-D-Mangel ist ein häufiges Problem bei BARF und auch beim Prey Model.

Woher beziehen Hunde Vitamin D?

Menschen und auch viele Tiere sind in der Lage, mit Hilfe von UV-Strahlung, die auf die Haut trifft, Vitamin D selbst zu bilden. Bei Hunden wird davon ausgegangen, dass sie dazu nicht in gleichem Maße fähig sind. Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass Hunde gar kein Vitamin D bilden können, andere nehmen an, dass sie nur sehr wenig Vitamin D über die Sonnenstrahlung synthetisieren können. Das bedeutet, Hunde müssen den Hauptteil ihres Vitamin-D-Bedarfs über das Futter decken. Wölfe fressen dazu einfach ganze Wildtiere. Diese Beutetiere sind ganztägig draußen und bilden dabei Vitamin D. Zusätzlich verbringen auch die Wölfe den ganzen Tag unter freiem Himmel, sodass angenommen werden kann, dass vielleicht auch geringe Menge an Vitamin D über die Haut gebildet werden. Unsere Haustiere verbringen heutzutage jedoch den Großteil des Tages drinnen: auf einer Couch oder im Büro. Das bedeutet, sie können fast gar kein Vitamin D über die Haut bilden. Dann werden die Tiere auch noch mit Fleisch aus Massentierhaltung gefüttert. Und weil dieses Fleisch von Tieren stammt, die in engen Ställen gehalten werden und auch nicht in die Sonne dürfen,  hat ihr Fleisch ebenfalls einen geringeren Vitamin-D-Gehalt als es bei Wild der Fall ist.

Gute Vitamin-D-Quellen

Bestimmte Futtermittel sind durchaus gute Vitamin-D-Quellen: Fische wie Hering, Sprotte, Forelle, aber auch Innereien wie Leber und Herz oder Eigelb sind gute Quellen. Allein durch die Fütterung von Innereien und Eigelb kann man aber nicht genug Vitamin D zuführen. Die genannten Fische haben 5-mal soviel Vitamin D wie Eigelb und  bis zu 12-mal mehr Vitamin D als die Innereien. Das bedeutet: Enthält die Ration aber einmal pro Woche eine Portion Fisch und dazu ausreichend Innereien und Eigelb so ist der Hund gut mit Vitamin D versorgt. Dabei wird eine Muskelfleischportion einfach durch den Fisch ersetzt.

Geeignet – Vitamin D über 15 μg/100g Ungeeignet – Vitamin D unter 15 μg/100g
Bückling Süßwasserfische allgemein
Hering Kabeljau
Sardelle Flunder
Sardinelle Pangasius
Seeforelle Seelachs
Sprotte Wittling
Lachs Steinbutt
Forelle Scholle

Möchte man keinen Fisch füttern, sollte Lebertran in der Ration ergänzt werden. Aber Vorsicht: Lebertran kann überdosiert werden! Daher sollte die Dosierung auf das Gewicht, Alter und Hormonstatus des Tieres abgestimmt werden. Der BARF-Rechner ermittelt die richtige Menge für Ihr Tier.

Übrigens sollte auch Lebertran wie das Öl mit Vitamin E vor Oxidation geschützt werden.

Quellen:
K. A. Selting et al. (2014): Serum 25-hydroxyvitamin D concentrations in dogs – correlation with health and cancer risk
https://info.sfk.online/