Seealgen bei BARF

Seealgen genauer gesagt eine bestimmte Seealge namens Ascophyllum Nodosum, wird im BARF-Rechner vorgeschlagen, um den Jodbedarf im Rahmen der Rohfütterung (BARF/Prey Model) zu decken. Diese Funktion kann auch deaktiviert werden.Seealgen bei BARF Jod ist ein essenzieller Nährstoff für Hunde. Wird nicht ausreichend Jod zugeführt, kann es bei Hunden zum s. g. All-Meat-Syndrome kommen. Die Schilddrüsenhormonwerte sinken ab und das Tier kann langfristig eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln. Leider zeigen sich die Folgen der Jodunterversorgung oft erst viele Jahre später, sodass die Tierhalter den Jodmangel sehr lange nicht bemerken. Das Tier mag jahrelang den Eindruck erwecken, es sei gesund, aber irgendwann treten dann möglicherweise Symptome des Jodmangels auf. Meist ist es dann schon zu spät, um dies auszugleichen und das Tier muss medizinisch behandelt werden.

Jodversorgung bei Wölfen

In der Natur decken wild lebende Kaniden ihren Jodbedarf komplett über die Beute, die sie fast komplett fressen. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass bei den meisten Beutetieren über 80 % des Jods in der Schilddrüse gebunden ist. Die wird natürlich von Wölfen, Kojoten oder Dingos mitgefressen, weswegen sie gut mit Jod versorgt sind. Bei hausgemachten Rationen wird Schilddrüsengewebe aus Sicherheitsgründen aber nicht gefüttert, denn es kann nicht genau genug dosiert werden. Eine zu hohe Dosis kann gesundheitliche Probleme verursachen oder sogar tödlich enden (Thyreotoxicosis factitia). Ein ganzer Rinderkehlkopf mit Schilddrüse ist daher viel zu viel auf einmal für einen Hund – diese Menge müsste man auf mehrere Monate verteilen.

Ohne Seealgen entsteht ein Jodmangel

Hunde haben einen sehr regen Schilddrüsenstoffwechsel und sind nicht in der Lage, Jod zu speichern. Daher haben sie im Vergleich zu uns Menschen einen viel höheren Jodbedarf. Der Jodbedarf für einen 60 kg Hund liegt laut NRC (National Research Counsil) bei 640 µg/Tag, für einen Menschen mit dem gleichen Gewicht nur bei 150 µg/Tag.Natürlich enthalten viele Lebensmittel Jod. Betrachtet man aber die NRC-Bedarfswerte so wird man schnell feststellen, dass es nicht möglich ist, den Jodbedarf allein über Fleisch, Innereien, Eier und Fisch oder Salz zu decken. Lediglich durch die Fütterung kleiner Mengen von Seealgen (im Beispiel mit 0,05 % Jodgehalt) erreicht man hier eine adäquate Jodversorgung. Die folgende Übersicht zeigt den Bedarfswert für einen ausgewachsenen 30 kg schweren Hund, im Vergleich mit der Jodzufuhr verschiedener beispielhafter, hausgemachter Futterration (á 600 g). Die Bedarfsdeckung steht in Prozent in Klammern:

Jodbedarf lt. NRC, 30 kg Hund BARF, ohne Zusätze BARF mit 1 g Salz (jodiert) pro Tag BARF mit 1 Fischtag pro Woche BARF mit 0,6 g Seealge pro Tag
380 µg 25 µg (6 %) 50 µg (13 %) 40 µg (20 %) 420 µg (112 %)

Es fällt sofort auf, dass eine Bedarfsdeckung durch Salz oder Fisch nicht möglich ist. Würde man an Stelle von Muskelfleisch ausschließlich Fisch wie z. B. Hering füttern, läge man bei ca. 300 µg pro Tag, was vermutlich auch ausreichend wäre, da der wissenschaftliche Bedarfswert Sicherheitsaufschläge enthält. Dies wäre aber eine sehr einseitige Fütterung, die zu wenig Zink und Mangan liefert. Die Vitamin-D-Zufuhr würde zudem das sichere Maximum überschreiten. Außerdem sind Fische oft mit Schwermetallen belastet, daher sollte man nicht zu viel davon füttern. Aber im Grunde führt erst die Gabe von Seealgenmehl dazu, dass der Bedarf gut gedeckt ist.

Warum gelten die Bedarfswerte für Jod?

Viele der wissenschaftlichen Bedarfswerte sind auf gebarfte Tiere nicht ohne Anpassung anwendbar, auf Jod (und auch die meisten Vitamine) trifft dies jedoch nicht zu. Hier sollte der NRC-Bedarfswert berücksichtigt werden. Dies hat damit zu tun, dass die Jodaufnahme nicht so stark von der Art der Fütterung abhängt wie beispielsweise die Aufnahme von Calcium oder Zink. Jod wird in seiner Aufnahme durch Glucosinolate beeinträchtigt – das sind Stoffe, die z. B. in Kohl vorkommen und durch Erhitzen zerstört werden. Dadurch spielen sie für die Studien zur Ermittlung von Bedarfswerten keine große Rolle.

Vorsicht vor Überdosierung

Da Jod auch überdosiert werden kann, sollte auf keinen Fall zu viel Seealgenmehl gefüttert werden. Einem Chihuahua, Yorkshire Terrier oder anderen kleinen Hunderassen täglich ½ TL Seealgenmehl zu geben, würde zu einer gefährlichen Überdosierung führen. So keinen Tieren verabreicht man nicht einmal eine Messerspitze von der Seealge, sondern noch weniger.

Seealgenmenge genau berechnen

Die Jodgehalte von Seealgen schwanken sehr stark (sie liegen zwischen 0,01 und 0,1 % in der Trockenmasse), sodass man keine allgemeingültige Dosierung für Seealgenmehl angeben kann. Die Menge muss individuell berechnet werden anhand des Jodgehalts, der auf der Packung angegeben ist. Man sollte die Seealgen weder zu hoch, zu niedrig dosieren, weil beides gesundheitsschädlich sein kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Jodmenge beim Anbieter zu erfragen. Der BARF-Rechner ermittelt mit diesem Wert dann ganz genau die Menge an Seealgen, die zugeführt werden muss.Werden komplette Beutetiere gefüttert, muss keine Gabe von Seealgenmehl erfolgen.Das Jod im Beutetier ist in der Schilddrüse gebunden. Füttert man das komplette Beutetier (Prey), so wird auch genug Jod zugeführt.

NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats