Knochen (RFK) bei BARF

von: Nadine Wolf | Lesedauer: 18 Minuten | veröffentlicht am: 02.07.21

BARF-Rechner Knochen RFK

Rohe Knochen sind ein wichtiger Baustein für bei jeder Art der Rohfütterung (BARF/Prey Model), denn sie liefern essenzielle Mineralstoffe und Spurenelemente. Unsere BARF-Rechner integrieren standardmäßig Knochen in den Futterplan. Die Rechner können auch ermitteln, wie Knochen ersetzt werden können und der Anteil der Knochen kann im Futterplan nach Belieben geändert werden.

Warum sind Knochen eigentlich wichtig? In der Natur sind sie immer Bestandteil der natürlichen Ernährung eines jeden Beutefressers: Jeder Fuchs frisst die Knochen seiner Beute, ebenso wie jeder Wolf und jede Katze, die sich eine Maus fängt. Daher kann und sollte ein gesunder Hund, der an die Rohfütterung gewöhnt ist, sie (in rohem Zustand) in angemessener Menge fressen. Außerdem dienen Knochen natürlich der Zahnreinigung. Bei hausgemachten Rationen werden Knochen als s. g. RFK – rohe, fleischige Knochen verfüttert. Das bedeutet, dass keine blanken Knochen gegeben werden, sondern die Knochen gut mit Fleisch ummantelt sein sollen. RFK bestehen etwa zu Hälfte aus blankem Knochen und zur anderen Hälfte aus Fleisch. Fleischige Knochen regen die Magensaftsekretion besser an als blanke Knochen und das Risiko von Verletzungen beim Abschlucken der Knochen ist auch geringer.

Häufige Fragen zur Knochenfütterung

Warum soll ich 15 % RFK füttern?

Im BARF-Rechner sind standardmäßig 15 % RFK bezogen auf den tierischen Anteil eingestellt. Dieser Anteil kann individuell verändert werden, aber die 15 % in der Standardeinstellung haben einen Grund. Da wir die natürliche Fütterung von wilden Kaniden nachahmen möchten, orientiert sich die Knochenmenge am Aufbau eines typischen Beutetiers. Betrachtet man z. B. ein Kaninchen, so besteht dieses zu 7 % aus blanken Knochen. Der Knochenanteil bei Mäusen liegt z. B. bei 4–5 %, Ziegen und Schafe haben etwa 8 % und Rinder liegen bei etwa 10 %. Je größer das Beutetier ist, desto höher ist der Anteil an Knochen. Aber kein auf der Erde existierendes Tier hat einen Knochenanteil von 50 % oder mehr – nicht einmal der Knochenfisch 🙂 Also kann das Futter auch nicht aus großen Mengen an Knochen bestehen.

Achtung, zur Zusammensetzung von Beutetieren findet man häufig viel höhere Zahlen. Die beziehen sich aber meist nicht auf das Lebendgewicht, sondern auf das Schlachtgewicht (also ohne Kopf, Füße und ausgeblutet). Dadurch wirkt der Knochenanteil höher. Man muss aber den Knochenanteil in Bezug auf das Lebendgewicht betrachten, denn wir betrachten ja ganze Beutetiere.

Kleine Beutetiere werden komplett aufgefressen, bei großen Beutetieren sind aber nicht alle Knochen essbar. Sie sind teilweise zu hart, selbst für Wölfe – Kopf, Oberschenkel oder Becken von einem Büffel oder Elch werde nicht gefressen. Nehmen wir an, dass die Nahrung zum Teil aus kleinen Beutetieren wie Kaninchen mit 7 % Knochen und auch aus großen Tieren wie Büffeln mit 10 % Knochen besteht, von denen aber nicht alles gefressen wird, so ergibt sich im Durchschnitt ein Anteil von 7–8 % an blanken Knochen. Das entspricht 15 % RFK, weil die zur Hälfte aus Knochen und zur Hälfte aus Fleisch bestehen. Aus dieser Überlegung ergibt sich der RFK-Anteil von 15 % in Bezug auf den tierischen Anteil der Nahrung. Bezogen auf die Gesamtration entspricht das 12 %. Das entspricht in etwa der Menge wie man sie auch beim Franken Prey Model (PMR) mit 10 % findet.

Welche RFK soll ich füttern?

Um für Abwechslung zu sorgen, sollte man verschiedene essbare Knochen einsetzen. Man unterscheidet zwischen weichen und eher harten RFK. Je härter die Knochen sind, desto höher ist auch der Anteil an Mineralstoffen. Aber nicht jeder Hund kann jede Art von Knochen fressen. Manche Hunde vertragen harte Knochen überhaupt gar nicht, sondern kommen nur mit weichen Knochen zurecht.

Beispiele für eher weiche RFK sind:

Hühnerrücken bzw. -karkassen, -hälse, -flügel, -füße, -schenkel bzw. Hälse, Köpfe und Karkassen von Ente, Gans, Pute oder Kaninchen.

Beispiele für eher harte RFK sind:

Lammrippen, Lammbrustbein, Lammhalsknochen, Ziegenknochen, Pferdenackenknochen, Pferdebrustbein, Rinderbrustbein, Kalbsrippen, Kalbsbrustbein, Wildrippen, Rinderknochen und Rehhälse.

Und wie hoch sollte der Anteil jeweils sein?

Die Menge der Knochen, die bei vom BARF-Rechner standardmäßig kalkuliert werden, hängt davon ab, welche Art von Knochen man einsetzt und wie die Ration ansonsten aufgebaut ist. Die kostenpflichtigen Rechner berücksichtigen verschiedene Optionen. Die oben genannten 15 % RFK beziehen sich auf gemischte Knochen, also zur Hälfte harte und weiche Knochen. Füttert man nur weiche Knochen, so erhöht sich der Anteil auf 20 %, denn diese Knochen liefern viel weniger Mineralstoffe. Sobald man in die Ration Getreide integriert, steigt der Anteil auch bei gemischten Knochen um weitere 5 %-Punkte an, denn die Bioverfügbarkeit der Mineralstoffe in den Knochen wird durch das Getreide bzw. dessen Gehalt an Phytat eingeschränkt.

Warum sollte man nicht noch mehr RFK füttern?

Nun, zunächst einmal führt ein zu hoher Anteil an Knochen in der Ration oftmals zu Knochenkot bis hin zu einer Verstopfung, was für das Tier sehr unangenehm ist. Außerdem führt eine zu hohe Zufuhr dazu, dass sich das Gleichgewicht an Nährstoffen verschiebt. Diese stehen in einer Beziehung zueinander und beeinflussen sich gegenseitig. Führt man von einem Nährstoff zu viel zu, wie z. B. von Calcium, so kann dies die Aufnahme von anderen Nährstoffen behindern bis es zu einem s. g. sekundären Nährstoffmangel kommt. Letztendlich führt ein zu hoher Knochenanteil dann zu einem Nährstoffmangel für das Tier, selbst wenn ausreichend von diesem Nährstoff zugeführt wird. So kann ein sekundärer Mangel an Magnesium, Eisen, Kupfer, Jod, Zink und Mangan durch einen zu hohen Knochenanteil im Futter entstehen.

Ein zu hoher Anteil an Calcium in der Nahrung erhöht außerdem das Risiko einer Magendrehung und gesundheitliche Probleme wie Nierenerkrankungen, Skelettfehlentwicklungen bei Welpen, Schilddrüsenunterfunktion können provoziert werden.

Mein Hund verträgt keine Knochen? Was muss ich tun?

Manche Hunde vertragen keine Knochen oder dürfen sie aus gesundheitlichen Gründen nicht fressen, z. B. bei einer Niereninsuffizienz. Natürlich kann man einen Hund auch ohne Knochenfütterung gesund ernähren, allerdings muss man die Mineralstoffe und Spurenelemente ersetzen, die sonst von den Knochen geliefert würden. Oftmals wird empfohlen, Knochen einfach durch Eierschalen oder andere Calciumprodukte zu ersetzen.  Allerdings enthalten diese meist nur Calcium und all die anderen Nährstoffe, die Knochen so wichtig sind, fehlen. Dies ist ein Umstand, der allzu gern ignoriert wird. Die folgende Übersicht zeigt die größten Unterschiede:

NÄHRSTOFFE 100 G KNOCHEN 100 G EIERSCHALE 100 G CALCIUMCITRAT 100 G ALGENKALK
Ca in mg 13.800 37.000 21.000 35.150
P in mg 6.200 150 0 31
Na in mg 360 150 0 415
Mg in mg 210 370 0 2580
K in mg 140 72 0 517,6
Zn in mg 0,7 12 0 1,58
Fe in mg 10 16 0 91,5
Cu in mg 0,7 0,4 0 0,5
Mn in mg 7,5 0,6 0 5,75

Lässt man die Knochen einfach weg, fehlt es dem Hund letztendlich an Calcium, Phosphor, Magnesium, Kalium und Zink. Es nützt in dem Falle auch nichts, ausschließlich mit Eierschalenpulver oder Algenkalk zu substituieren, denn diese Supplemente liefern nicht ansatzweise so viele Nährstoffe wie Knochen selbst, mal abgesehen vom Calcium. Aber all diese Nährstoffe sind beim gesunden Hund sehr wichtig. Ja, auch der hohe Phosphor-Anteil in den Knochen ist notwendig, ansonsten kann es zu einem Phosphatmangel kommen. Es gibt keinen Grund, warum ein gesunder Hund weniger Phosphor bekommen sollte, als er in der natürlichen Ernährung nun einmal vorkommt. Dies würde man nur bei einer Niereninsuffizienz absichtlich herbeiführen. Für gesunde Tiere ist ein Phosphatmangel gesundheitsschädlich!

Wie soll ich Knochen ersetzen?

Wer sich vor der Knochenfütterung fürchtet und sie deswegen nicht einsetzen möchte, kann  zunächst versuchen, gewolfte Knochen einzusetzen. Daran kann sich der Hund nicht verletzen. Müssen Knochen aber tatsächlich ersetzt werden, ist die einzige echte Alternative in „Pulverform“ das Knochenmehl. Was naheliegend ist, weil es aus reinen Knochen hergestellt wird und daher alle Nährstoffe enthält, die in Knochen natürlicherweise vorkommen. Es wird meist aus Schweine- und Rinderknochen hergestellt, es gibt allerdings für Allergiker auch Pferdeknochenmehl oder Lammknochenmehl. Idealerweise setzt man ein Knochenmehl  ein, das für den Humanbereich zugelassen ist – dann ist das Knochenmehl auch „sauber“ und enthält keine schädlichen Zusatzstoffe.

Leider kann man sich hinsichtlich der Dosierung von Knochenmehl nicht immer auf das Verlassen, was die Anbieter auf die Packung schreiben. Die angegebenen Mengen berücksichtigen in der Regel nicht, ob der Hund noch im Wachstum ist, wie viel Futter er frisst und auch nicht, dass roh gefütterte Hunde niedrigere Calciumbedarfswerte haben als ein Hund, der Trockenfutter bekommt. Wie hoch man das Knochenmehl dosiert, muss also ausgerechnet werden. Unsere BARF-Rechner übernehmen diese Berechnung.

Warum ist Calciumcarbonat (Eierschale, Algenkalk) nachteilig?

Calcium liegt in unterschiedlichen Verbindungen vor. Die Calciumverbindung, die in Knochen hauptsächlich vorkommt, ist Hydroxylapatit. Dabei handelt es sich um eine Verbindung, die eine besonders hohe Bioverfügbarkeit hat. Einige Calciumprodukte wie z. B. Eierschalen oder Algenkalk / Muschelkalk liefern hauptsächlich Calciumcarbonat.  Der Einsatz ist aber problematisch: Trifft Calciumcarbonat auf die Salzsäure, die sich im Magensaft des Hundes befindet, so entsteht Calciumchlorid und Kohlensäure. Letztere wird aus dem Magen ausgetrieben und entfällt somit als Säurungsfaktor. Die eigentlich starke Magensäure wird damit weniger effektiv. Calciumcarbonat puffert also die Magensäure und kann auch Fettstühle hervorrufen. Zudem reißt die aufsteigende Kohlensäure winzige Tropfen an Magensaft mit sich (ähnlich wie beim Sprudelwasser in einem Glas) und reizt damit die Speiseröhre. Das führt zu Sodbrennen. Da viele Hunde ohnehin schon unter einem Mangel an Magensäure und damit verbundenem Sodbrennen leiden. Verträgt ein Hund keine Knochen, sollte besser mit Calciumcitrat gearbeitet werden statt, Calciumcarbonat. Das hat nicht solche Auswirkungen.

Calciumcarbonat wird für Hunde mit Niereninsuffizienz als Phosphatbinder eingesetzt, weshalb es auch im BARF-Rechner enthalten ist. Für gesunde Tiere will man die vielen Nachteile nicht in Kauf nehmen.

Kann ich Knorpel geben an Stelle von RFK?

Manchmal wird auch Knorpel als Calciumlieferant empfohlen. Knorpel weist aber leider nur einen Calciumgehalt von ca. 40 mg pro 100 g auf – also sogar weniger als in Milchprodukten oder Pansen. Im Gegensatz dazu liefern die bei der Rohfütterung (BARF/Prey Model) üblicherweise eingesetzten RFK um die 2.000 mg pro 100 g. Um es zu verdeutlichen: Ein 30 kg Hund müsste 4 kg (!) Knorpel am Tag fressen, um seinen Bedarf an Calcium zu decken, aber nur 80 g ganz normale RFK, um das gleiche Ergebnis zu erreichen. Es ist also naheliegend, dass eine ausreichende Calciumversorgung mit Knorpel nicht erreichbar ist.

Achtung, manche Knorpel können auch gesundheitsschädlich sein! Man erhält zum Beispiel Kehlköpfe von Rindern im Handel. Am Kehlkopf von Säugetieren befindet sich die Schilddrüse. Die darin enthaltenen Hormone (z. B. Thyroxin) können den Hormonhaushalt des Hundes beeinflussen und bei einer zu hohen Menge erhöhte Schilddrüsenwerte im Blut oder sogar eine Schilddrüsenüberfunktion (Thyreotoxicosis factitia) provozieren. Kehlkopf sollte daher nur in sehr geringen Mengen gefüttert werden. Eben in den Mengen, in denen er im Beutetier vorkommt. Um es zu verdeutlichen: Ein 30-kg-Hund bräuchte ungefähr drei Jahre, um ein komplettes Rind (inklusive des einen Kehlkopfes) zu fressen. In diesem Zusammenhang sollte auch darauf geachtet werden, keine Fleisch-Mixe zu kaufen, die möglicherweise Schilddrüsengewebe enthalten.

Kann man gewolfte Knochen füttern?

Im Gegensatz zu Knorpel eigenen sich gewolfte Knochen sehr gut, um die Nährstoffversorgung zu decken. Man kann ganz einfach die im Futterplan angegebene Menge an RFK durch gewolfte Hühnerhälse, Putenhälse, Lammknochen etc. ersetzen. Gewolfte Knochen sind ungefährlich und der Besitzer kann sie reinen Gewissens füttern, ohne Angst haben zu müssen. Sie bilden auch eine Alternative für Hunde, die nicht mehr so gut kauen können, z. B. weil sie keine Zähne haben. Außerdem sind es passende Knochen für Anfänger.

Wie berücksichtigt der Rechner Calcium und Phosphor?

Bei einer normalen BARF-Ration inklusive RFK oder stattdessen mit einem Knochenmehl kann von einem Ca:P-Verhältnis von etwa 1,2:1 ausgegangen werden. Verwendet man ausschließlich weiche RFK in der Ration, so verändert sich das Verhältnis auf 1:1. Auch wenn man den Pansen durch Muskelfleisch ersetzt, verschiebt sich das Calcium:Phosphor-Verhältnis im Rechner zu zuungunsten des Calciums.

Lange galt die Annahme, dass das Ca:P-Verhältnis insbesondere für die Calciumaufnahme relevant sei. Man ging davon aus, dass ein Phosphatüberschuss in einem Calciummangel resultiert. Dies wurde inzwischen widerlegt. Das NRC führt dazu im Hinblick auf Hunde aus:

„Das ernährungsbedingte Ca:P-Verhältnis ist ein weiterer Faktor, der die Aufnahme von Ca beeinflussen kann. Angesichts vernünftiger Konzentrationen beider Mineralstoffe in der Nahrung deuten neuere Studien jedoch darauf hin, dass dies keinen signifikanten Einfluss auf die Ca-Aufnahme hat.“

Das Verhältnis ist dem nach für die Calcumaufnahme nicht entscheidend, jedoch spielt es bei der Phosphataufnahme eine große Rolle. Es ist bekannt, dass die Bioverfügbarkeit von Phosphat bei einem Verhältnis von 1:1 noch 70 % beträgt, während sie auf 30 % absinkt bei einem Verhältnis von 2:1. Dies ist vor allem beim Einsatz von reinen Calciumlieferanten an Stelle von Knochen beim Hund von praktischer Relevanz.

Quelle: NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats