Welpen barfen mit dem BARF-Rechner

von: Nadine Wolf | Lesedauer: 33 Minuten | veröffentlicht am: 23.08.18 | überarbeitet am: 21.07.21

Welpen und Junghunde barfen – was muss ich beachten?

Viele Tierhalter befürchten, insbesondere bei der Fütterung von Welpen Fehler zu machen –  die Wachstumsphase ist schließlich sehr wichtig. Der BARF-Rechner für Welpen und Junghunde hilft, die Unsicherheit zu überwinden und einen ausgewogenen BARF-Plan zu berechnen. Aber beginnen wir von ganz vor: Nach der Geburt bekommen die Welpen ausschließlich Muttermilch. Im Alter von 3-4 Wochen beginnt der Züchter, die kleinen Hunde abzusetzen – also an feste Nahrung zu gewöhnen. Im Idealfall geschieht dies mit Rohfutter. Zunächst werden die Welpen dabei an rohes Fleisch gewöhnt, indem sie zusätzlich zur Muttermilch Fleisch bekommen. Nach und nach werden die Hunde dann an weitere Zutaten gewöhnt, die bei BARF üblich sind – Knochen, Innereien, Pansen und auch die notwendigen Zusätze werden in den Futterplan integriert.

Fütterung im neuen Zuhause

Mit etwa 9 Wochen ziehen die Welpen in ihr neues Zuhause. Dort angekommen, können sie entweder weiter gebarft werden oder das Tier wird von Trockenfutter oder Dosenfutter auf BARF umgestellt. Die BARF-Ration für Welpen wird grundsätzlich genau so berechnet wie für ein erwachsenes Tier, aber es gibt feine Unterschiede, die der BARF-Rechner für Welpen berücksichtigt. Die Hauptwachstumsphase der meisten Junghunde findet während der ersten 6 bis 8 Monate statt. In dieser Zeit muss der Futterplan regelmäßig angepasst werden. Je kleiner das Tier ist, desto schneller wird es ausgewachsen sein. Dann kann der Hund wie ein erwachsenes Tier gebarft werden.

Fütterung im Zahnwechsel

Hundewelpen werden zahnlos geboren. Die erste Generation der Zähne bildet das Milchgebiss. Die Milchzähne brechen bei Hunden in der 3.–8. Lebenswoche durch. Im 3,5.–7. Lebensmonat findet der Zahnwechsel statt. Dabei werden die Milchzähne durch das bleibende Gebiss ersetzt. Daher besteht in dieser Zeit ein erhöhter Calcium- und Phosphatbedarf, denn diese Mineralstoffe bilden die Grundlage der Zähne. Der BARF-Rechner für Welpen ermittelt automatisch die richtige Menge an Knochen, sodass die Calciumversorgung sichergestellt ist. Auf diese Weise wird auch ausreichend Phosphat zugeführt. Wenn der Welpe keine Knochen bekommen soll, wird stattdessen ein Knochenmehl in der Ration eingesetzt.

BARF-Rechner für Welpen – was muss ich wissen?

Anzahl der Mahlzeiten

In der Regel werden Hunde im Wachstum häufiger gefüttert, als erwachsene Tiere. Für gewöhnlich wird empfohlen:

  • Welpen (das sind Tiere bis zum Alter von 16 Wochen) 4-mal am Tag,
  • Junghunde bis zum 6. Lebensmonat 3-mal,
  • nach dem 6. Lebensmonat 2-mal,
  • ab dem 1. Lebensjahr 1-mal zu füttern.

Dieses Vorgehen wird vom BARF-Rechner berücksichtigt. Wählen Sie für Hunde bis 16 Wochen 4-Mahlzeiten am Tag aus. Das führt auch gleichzeitig dazu, dass es bestimmte Komponenten wie etwa Zusätze oder Knochen und Innereien täglich im Plan gibt, sodass die Verteilung besser ist. Stellen Sie den Rechner ab der 17. Lebenswoche dann auf 3 Mahlzeiten um. Sie werden feststellen, dass der Aufbau des Planes sich damit auch ändert.Warum Junghunde nicht alle Komponenten täglich benötigen, erfahren Sie im entsprechenden Abschnitt.

Calcium im Wachstum

Dieses Thema beunruhigt sehr viele Tierhalter, vor allem, wenn der Hund gebarft werden soll. Unser BARF-Rechner erstellt für Welpen in erster Linie einen normalen BARF-Plan. Es wird also ein Beutetier „nachgebaut“, der Annahme folgend, dass dies genug Calcium liefert – auch im Wachstum.Demnach beträgt der Anteil an s. g. rohen, fleischigen Knochen (RFK) in unserem Rechner 15 % vom Anteil Tierischen, wenn man gemischte RFK (z. B. weiche wie Hühnerhälse, und harte wie Lammrippen) füttert und 20 % RFK, wenn man ausschließlich weiche RFK (z. B. nur Hühnerhälse, Hühnerkarkassen) füttert. Diese Menge spiegelt den Aufbau eines Beutetiers wider. Der Rechner ermittelt die Menge automatisch, je nachdem, welche Knochenart Sie ausgewählt haben. Wenn Sie keine Knochen füttern möchten, können Sie das im Rechner ebenfalls angeben. In dem Fall wird ein Calciumsupplement in den Plan integriert. Hier empfiehlt sich Knochenmehl, da es nicht ausschließlich Calcium, sondern auch Phosphor liefert, was im Wachstum ebenso notwendig ist. Supplemente wie Algenkalk oder Eierschalenpulver liefern fast nur Calcium, was meist nicht sinnvoll ist.Der Rechner ermittelt die Menge des Calciumsupplements anschließend folgendermaßen: Er geht erst einmal davon aus, dass der Hund die o. g. Menge an RFK bekommt  und demnach davon, dass mit diesen RFK eine durchschnittliche Menge an Calcium zugeführt werden würde. Diese Menge ersetzt der Rechner dann durch das gewählte Supplement. Er werden also einfach nur die RFK 1:1 ersetzt, ohne mit Bedarfswerten zu rechnen, weil das bei BARF nicht wirklich möglich ist. Wundern Sie sich also nicht, dass die angegebene Supplementmenge sich von dem unterscheidet, was möglicherweise auf der Packung des Produkts steht oder sich nach Berechnung eines Bedarfswertes ergibt.

Richtige Futtermenge

Die richtige Futtermenge im Wachstum zu ermitteln, ist nicht ganz so einfach. Grundsätzlich kann man sagen, dass Welpen ab der 10. Lebenswoche etwa 3-mal so viel Futter benötigen wie ein erwachsenes Tier gleicher Größe und gleicher Aktivität. Daher wird die Futtermenge für Welpen häufig mit ca. 6 % vom Körpergewicht angegeben. Diese Menge nimmt mit zunehmenden Alter ab, d. h. ein Hund, der im Alter von 10 Wochen noch 6 % Futter brauchte, wird vermutlich mit 20 Wochen nur noch 4,5 % Futter benötigen und mit 18 Monaten nur noch 2 %.Unser BARF-Rechner für Welpen macht Ihnen zu dieser Futtermenge einen Vorschlag – angepasst nach Aktivität, Alter und späterer Endgröße. Nun ist es leider so, dass sich nicht jeder Welpe in eine Formel „pressen“ lässt. Es gibt daher immer wieder Tiere, die mehr oder auch weniger Futter benötigen. Der Rechner kann hier nur einen Vorschlag machen und wenn der nicht passt, dann muss die Menge eben manuell angepasst werden (ähnlich wie beim Fertigfutter – da passen die Angaben auf der Packung auch nicht für jeden Hund).Die Futtermenge ist dann korrekt, wenn der Hund eine alters- und rassetypische Gewichtszunahme aufweist (z. B. Schäferhund Welpe mit 10 Wochen: 1,5 kg Gewichtszunahme pro Woche – diese Information erhalten Sie vom Züchter) und idealgewichtig, also weder zu dick, noch zu dünn ist. Das bedeutet, der Hund sollte eine sichtbare Taille haben und die Rippen sollten mit leichtem Druck auf den Brustkorb fühlbar sein, aber nicht sichtbar herausstehen.Wenn der Wert, den Ihnen der Rechner als Vorschlag ermittelt, für Ihren Hund nicht ideal ist, dann klicken Sie im Rechner einfach „eigene Futtermenge wählen “ an und geben eine Prozentzahl ein, die Ihnen angemessener erscheint. Leider muss man sich hier auf sein Augenmaß verlassen und die richtige Futtermenge wählen. Wenn Sie sich unsicher sind, schreiben Sie uns gern eine E-Mail und wir werden versuchen, Ihnen zu helfen.

Auswahl der Rassegröße

Im BARF-Rechner für Welpen kann man einstellen, ob der Hund zu einer kleinen, mittleren oder großen Rasse gehört. Diese Einstellung hat nur eins zur Folge: Die vorgeschlagene Futtermenge wird angepasst. Der Grund hierfür ist, dass kleine Rassen mit 6 Monaten schon ausgewachsen sind, während sehr große Rassen teilweise noch bis zum 2. Lebensjahr wachsen.Ein Tier, was noch wächst, braucht prozentual gesehen mehr Futter. Aus diesem Grund ist der Vorschlag für die Futtermenge auf die spätere Endgröße angepasst und sinkt bei kleinen Rassen schneller ab als bei großen Tieren. Es hat also keine negativen Konsequenzen, wenn Sie dort die „falsche“ Größe wählen. Sie würden dann höchstens feststellen, dass die Futtermenge vielleicht zu hoch oder niedrig ist. Aber wie im letzten Punkt beschrieben wurde, ist die notwendige Futtermenge letztendlich individuell. Man sollte sie auch nicht an einer Wachstumskurve ausrichten.Die folgende Übersicht zeigt eine etwaige Einordnung verschiedener Hunderassen.

Kleine Rassen Affenpinscher
Basenji
Beagle
Bedlington Terrier
Belg. Griffon
Boston Terrier
Chihuahua
Cocker Spaniel
Foxterrier
Franz. Bulldogge
Irish Terrier
Ital. Windspiel
Jagdterrier
King-Charles-Spaniel
Kleinspitz
Kurzhaardackel
Langhaardackel
Malteser
Mops
Papillon
Pekinese
Pinscher
Puli
Scotch Terrier
Skye Terrier
Whippet
Yorkshire Terrier
Zwergdackel
Zwergpinscher
Zwergpudel
Zwergschnauzer
Mittlere Rassen Afghane
Airedale Terrier
Barsoi
Basset
Bobtail
Bullterrier
Chow Chow
Collie
Dalmatiner
Deutscher Schäferhund
Deutscher Vorstehhund
Engl. Bulldogge
Eurasier
Großpudel
Hovawart
Kleiner Münsterländer
Labrador Retriever
Mittelschnauzer
Pointer
Setter
Siberian Husky
Große Rassen Alaska Malamute
Berner Sennenhund
Bernhardiner
Bordeauxdogge
Boxer
Deutsche Dogge
Dobermann
Greyhound
Irischer Wolfshund
Leonberger
Mastiff
Neufundländer
Pyrenäenhund
Rhodesian Ridgeback
Riesenschnauzer
Rottweiler
Angemessener Fettgehalt

Einer der häufigsten Fehler, die bei BARF gemacht werden, ist eine zu fettarme Fütterung. Aus diesem Grund wird empfohlen, dass etwa 15–25 % Fett im Muskelfleisch vorhanden sein sollten, ggf. kann auch noch mehr Fett notwendig sein (z. B. bei Sporthunden oder während der Säugephase). Der BARF-Rechner berücksichtigt das, indem nach dem Ausgangsfettgehalt und dem Zielfettgehalt gefragt wird. Über diese Einstellung lässt sich der Gesamtfettgehalt im Futterplan regeln.Die Empfehlung, dass das Muskelfleisch 15–25 % Fett enthalten sollte, trifft allerdings eher auf erwachsene Tiere zu, bei Welpen sollte man sich eher an der unteren Grenze, also 15 % Fett orientieren. Das hat zwei Gründe: Erstens erhöht eine zu energiereiche Ration das Risiko von Skelettfehlentwicklungen und je fettreicher das Fleisch ist, desto energiereicher ist die Ration. Zweitens nimmt mit steigendem Fettgehalt im Fleisch dessen Proteingehalt ab, was im Falle der Welpenfütterung durchaus dazu führt, dass das Tier nicht mehr genug Eiweiß zu sich nimmt, um angemessen wachsen zu können. Demnach sollte als Zielfettgehalt von 15 % ausgegangen werden, solange das Tier noch im Wachstum ist.Was aber macht man, wenn man beim BARF-Händler nur Fleischsorten findet, die von vorn herein wesentlich mehr Fett enthalten? Die Lösung hierfür ist, diese Fleischsorten mit mageren zu mischen. Angenommen, Ihr Händler bietet Fleisch mit 25 % Fett an – zu viel für den Welpen. Gleichzeitig liegen Sorten mit 5 % Fett im Regal. In dem Fall können Sie beide Sorten mischen oder abwechselnd füttern und erreichen somit wieder einen durchschnittlichen Fettgehalt von 15 % (5 % + 25 % = 30 % / 2 = 15 %). Man nutzt also Durchschnittswerte und rechnet den Plan nicht tagesbasiert neu aus.Den so geschätzten Wert geben Sie dann im Rechner als Ausgangsfettgehalt an, den Zielfettgehalt legen Sie mit 15 % fest. Dies hat zur Folge, dass im Rechner kein extra Fett in den Plan integriert wird. Füttern Sie mageres Fleisch, dann geben Sie einen Ausgangsfettgehalt von beispielsweise 5 oder 15 % an und im Futterplan wird entsprechend Zusatzfett ergänzt, damit die Ration nicht zu mager ist.

Mengenangaben im Futterplan

Der BARF-Rechner ermittelt die Mengen der Hauptkomponenten so, dass diese auf maximal auf ganze 5 g gerundet werden. Somit kann es vorkommen, dass im Wochenplan gerade bei Welpen Mengenangaben wie „15 g Innereien“ zu finden sind. Natürlich muss diese Menge nicht exakt gefüttert werden. Es ist problemlos möglich, hier an einem Tag 10 g und an einem anderen dann 20 g zu füttern. Wichtig ist nur, dass die Gesamtmenge pro Woche ungefähr eingehalten wird – auch dabei kommt es nicht darauf an, auf´s Gramm genau zu füttern. Die Gesamtmenge pro Woche und pro Tag finden Sie unter dem Futterplan im Punkt „Details zum Futterplan“.Wenn Ihnen die Mengenangaben viel zu klein und unpraktisch erscheinen, ist es sinnvoll, über ein Komplettfutter nachzudenken. Mehr dazu im nächsten Punkt.Bei den Zusätzen sollte man keine Rundung vornehmen. Es ist hinsichtlich der Nährstoffversorgung ein großer Unterschied, ob man 0,6 g Seealgen oder 1 g Seealge füttert.

Unterschied Wochenplan und Komplettfutter

Bei einem Wochenplan wechseln die Futterbestandteile täglich. Das bedeutet, man erhält einen Plan, in dem pro Tag konkrete Mengen der Hauptfutterkomponenten genannt werden, z. B. montags 350 g Muskelfleisch, 150 g Obst-Gemüse-Mix usw. Diese Art Plan eignet sich vor allem für Hunde großer Rassen, denn die Mengen sind recht groß und lassen sich gut abwiegen. Bei Welpen großer Rassen kann es natürlich – vor allem anfangs – sein, dass die Mengen trotzdem recht klein sind und im Plan steht, man solle z. B. 55 g Muskelfleisch füttern. Hier schafft ein Komplettfutter Abhilfe.Bei einem Komplettfutter mischt der Hundehalter größere Mengen z. B. 10 kg BARF in einem großen Gefäß zusammen und friert viele, kleinere Tagesportionen ein. Diese enthalten dann alle Hauptkomponenten und natürlich auch die Zusätze. Das erleichtert vor allem bei Welpen oder kleinen Hunderassen die Arbeit, denn hier würde im Wochenplan z. B. 15 g RFK (rohe, fleischige Knochen) pro Tag stehen. Das ist unter praktischen Bedingungen nicht so einfach umsetzbar, weshalb das Komplettfutter hier eine gute Alternative ist.

Mythen bei der Welpenfütterung

Es kursieren einige Falschinformationen zum Thema Welpenfütterung im Internet. Um Ihnen ein wenig die Angst zu nehmen, gehen wir auf einige der Punkte ein.

Welpen müssen alle Komponenten täglich bekommen

Dass der Welpe Mangelerscheinungen erleiden könnte, ist natürlich für viele Hundehalter die Horrorvorstellung schlechthin. Das Marketing diverser Fertigfutterhersteller zielt genau auf diese Angst ab. Es wird damit geworben, dass jeder Nährstoff in jeder Mahlzeit im richtigen Verhältnis vorliegen muss. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wurde diese Denkweise – zumindest bei der Welpenfütterung – auch auf BARF übertragen.Daher wird immer wieder postuliert, ein Welpe oder Junghund müsse z. B. Innereien, Knochen und sämtliche Zusätze unbedingt täglich bekommen, am besten in jeder Mahlzeit, da sonst Mangelerscheinungen auftreten. Natürlich ist es nicht sinnvoll, einem Welpen nur einmal wöchentlich die gesamte RFK-Menge oder Seealgenportion vorzusetzen. Diese stoßweise Fütterung bestimmter Komponenten könnte tatsächlich zu Problemen führen und ist auch nicht sonderlich natürlich. Aber nirgends steht geschrieben, dass Welpen (zumindest ab 8 Wochen) nicht in der Lage sind, auch Nährstoffe zu speichern oder dass jeder Nährstoff wirklich alle 24 h zugeführt werden muss.Auch in der Natur ist so ein Vorgehen nicht zu finden. Ganz im Gegenteil: Wolfswelpen beispielsweise werden anfangs mit dem ernährt, was erwachsene Wölfe hervorwürgen. Dabei kann nicht ansatzweise die Rede davon sein, dass eine solche „Ration“ nun sämtliche Nährstoffe im richtigen Verhältnis enthält, denn meist erlegen Wölfe eher große Beutetiere. Nicht jeder Wolf nimmt damit zu jeder Mahlzeit die exakt passende Menge an Muskelfleisch, RFK, Innereien usw. auf. Damit kann auch keine exakt passende Aufteilung an Welpen weitergegeben werden. Das gleicht sich über die Zeit aus und auch Hunde können mit Schwankungen in der Nahrung durchaus umgehen – so wie jedes andere Lebewesen auch.Es ist also kein Problem, wenn ein Welpe z. B. die Wochenmenge an RFK an vier Tagen erhält und nicht an sieben. Gleiches gilt für Zusätze oder Innereien. Die Aufteilung richtet sich eher danach, wie der Welpe die Zusammenstellung am besten verträgt. Natürlich spricht auch nichts dagegen, alle Komponenten täglich zu füttern, aber es muss eben nicht zwingend sein.

Welpen brauchen mehr Knochen

Die Calciumversorgung ist ein Thema, was viele Hundehalter umtreibt. Kein anderer Nährstoff scheint so wichtig zu sein wie dieser Mineralstoff, vor allem im Wachstum. Daher wird gern behauptet, Welpen bräuchten per se 20 % RFK vom Anteil tierischer Produkte. Es gibt sogar Empfehlungen in Richtung 30 oder gar 75 % und mehr (!). Das ist eine Fehlinformation, die vermutlich entstanden ist, weil durch Stille Post Details zur Fütterungsempfehlung verloren gegangen sind.Fakt ist: Füttert man gemischte RFK, also harte und weiche, dann beträgt der RFK-Anteil bei BARF 15 % vom Tierischen. Füttert man ausschließlich weiche RFK (z. B. weil der Hund harte nicht verträgt), so erhöht sich der Anteil auf 20 %. Diese Anpassung ist sowohl bei Welpen vorzunehmen als auch bei erwachsenen Hunden und hat einfach mit der Mineralstoffdichte der RFK zu tun. Weiche RFK wie Hühnerhälse haben ca. 1.500 mg Calcium pro 100 g, härtere RFK wie Rinderbrustbein hingegen 2.900 mg, Lammrippen sogar noch mehr. Es ist logisch, dass man mehr RFK füttern muss, wenn man auf härtere Knochen verzichtet und nur weiche RFK füttert.Da Welpen in der Regel, vor allem anfangs, Hühnerhälse und –flügel & Co. bekommen, ist es bei den meisten Welpen so, dass tatsächlich 20 % RFK gefüttert werden sollten. Das hat aber mit der Art der RFK zu tun und nichts mit der Tatsache, dass es sich um einen Welpen handelt. Ein typisches Beutetier besteht nun einmal nur zu gewissen Teilen aus Knochen und dieser übersteigt bestimmte Werte einfach nicht. So beträgt der Knochenanteil in einem Kaninchen z. B. 7,5 % vom Körpergewicht (daher stammen auch die 15 % RFK (= ½ Knochen, ½ Fleisch). Es gibt in der Natur keine Spezial-Welpen-Beutetiere mit höherem Knochenanteil, daher gibt es auch keinen Grund, Welpen generell mehr RFK zu geben oder gar noch weitere Calciumsupplemente zu ergänzen.Manchmal fußt die Argumentation, dass der RFK-Anteil erhöht werden sollte, auch auf bestimmten Nährwertangaben. Je nach Quelle unterscheiden die sich stark. Meyer / Zentek empfehlen z. B. für Welpen 355–585 mg Calcium pro kg Körpermasse – je nach Endgewicht. Will man diese Menge beispielsweise bei einem 10 kg schweren Ridgeback-Welpen erreichen, der nur weiche RFK verträgt, müsste der Anteil tierischer Produkte zu 90 % nur aus RFK bestehen. Abgesehen davon, dass der Hund davon sicherlich eine Verstopfung bekäme, hat das mit einer Orientierung am Beutetier auch nichts mehr zu tun, denn kein Beutetier hat so viele Knochen – nicht einmal ein Knochenfisch? Man muss allerdings auch hier sagen, dass diese hohen Bedarfswerte für industrielles Futter gelten oder selbstgemachte Rationen mit 55 % Getreideanteil. Hier spielt das Thema Bioverfügbarkeit eine Rolle.Das NRC gibt z. B. einen Bedarfswert für Calcium in Höhe von 3.000 mg pro 1.000 kcal Futter für Welpen an. Dieser Wert lässt sich mit 15 % gemischten RFK locker oder 20 % weichen RFK knapp, aber durchaus realistisch erreichen. Es besteht also kein Grund zur Sorge, dass der Welpe mit 15 % gemischten RFK unterversorgt wäre, zumal auch dieser Bedarfswert Sicherheitsaufschläge enthält und von einer Bioverfügbarkeit von 50 % ausgeht, die bei BARF weit übertroffen wird. Eine Überversorgung mit Calcium kann für Welpen übrigens sehr nachteilig sein, wie der nächste Punkt zeigt.

Welpen wachsen schneller durch zu viel Protein oder entwickeln Skelettdeformationen

Woher diese Behauptung stammt, ist nicht wirklich nachvollziehbar, denn sie ist schlichtweg falsch und das ist sogar recht gut belegt. Man hat in Studien herausgefunden, dass der Proteingehalt des Futters weder einen Einfluss auf die Wachstumsgeschwindigkeit hat, noch die Skelettentwicklung beeinträchtigt. Das ist auch der üblichen Fachliteratur so zu entnehmen (z. B.  Meyer / Zentek S. 181, 183). Was jedoch die Wachstumsgeschwindigkeit beeinflusst, ist der Energiegehalt des Futters. Deswegen sollte man Welpen nicht überfüttern und ihnen auch Futter nicht zur freien Verfügung hinstellen. Wenn man jetzt von der Fehlannahme ausgeht, ein zu hoher Proteingehalt würde die Wachstumsgeschwindigkeit negativ beeinflussen, muss man diesen senken. Das geht nur, wenn der Kohlenhydrat- oder Fettanteil in der Nahrung steigt. Dummerweise ist der Energiegehalt, den der Körper aus 1 g Fett oder 1 g Kohlenhydraten gewinnen kann, höher als der aus 1 g Protein. Eine Proteinsenkung führt also unweigerlich zu einer Steigerung des Energiegehalts im Futter. Im Endeffekt führt diese dann zu einer erhöhten Wachstumsgeschwindigkeit.Skelettfehlentwicklungen werden ebenfalls nicht durch „zu viel“ Protein im Futter hervorgerufen, sondern z. B. durch Calciumüberversorgung oder Vitamin-D-Mangel bei gleichzeitig niedriger Calciumversorgung. Daher ist es absolut nicht sinnvoll, zu viel oder zu wenig Calcium zuzuführen. Unglücklicherweise ist nicht bekannt, wie viel Calcium ein gebarfter Hund nun benötigt. Die üblichen Bedarfswerte gehen davon aus, dass der Welpen 50 % des aufgenommenen Calciums nicht verwerten kann, weil s. g. diätische Antagonisten wie z. B. Phytinsäure die Aufnahme stören.  Bei BARF fehlen diese Störstoffe, weswegen man möglicherweise schon zu viel Calcium zuführt, wenn man über die im typischen Beutetier hinausgehende Mengen an Knochen füttert. Solange es für BARF keine angepassten Bedarfswerte gibt, kann man sich also nur an den Aufbau eines Beutetieres halten, dieser ist zumindest nachvollziehbar und reicht anderen Beutefressern schon seit  Jahrmillionen aus.

Das Calcium-Phosphor-Verhältnis muss zwingend 1,2:1 betragen

Das Gerücht, das Calcium:Phosphor-Verhältnis sei entscheidend für die Calciumverwertung, hält sich noch immer hartnäckig. Früher ging man davon aus, dass zu viel Phosphor in der Nahrung die Calciumaufnahme behindert, weswegen man dazu riet, etwas mehr Calcium zuzuführen als Phosphor. Obwohl Studien bereits Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrtausends belegt haben, dass der Phosphorgehalt der Nahrung keinen Einfluss auf die Calciumabsorption hat, wird also weiterhin z. B. Calcium in Form von Eierschalenpulver zugefügt, um das Ca:P-Verhältnis auszugleichen – das ist absolut unnötig und ggf. sogar kontraproduktiv.Denn zwar beeinflusst der Phosphorgehalt der Nahrung nicht die Calciumaufnahme, aber je weiter das Ca:P-Verhältnis ist, also je mehr Calcium als Phosphor zugeführt wird, desto geringer ist die Phosphoraufnahme. Wenn man also mittels isolierter Calciumzugaben das Verhältnis verändert, riskiert man am Ende einen Phosphormangel beim Welpen. Das ist keine gute Idee.Auch bei dieser Frage kann man sich ein Vorbild an der Natur nehmen und überlegen, wie Wolfswelpen gefüttert werden. Das übernehmen in den ersten Wochen nach dem Absetzen von der Muttermilch i. d. R. die Elterntiere, die dann gleichzeitig auch meist ranghoch sind. Tendenziell fressen diese Tiere also auch zuerst mit an der Beute. Es gibt Untersuchungen dazu, in welcher Reihenfolge große Beutetiere von Wölfen gefressen werden. Zuerst wird der Bauchraum geöffnet und Innereien wie Leber werden gefressen, dann werden große Brocken Muskelfleisch herausgerissen. Erst zum Schluss werden Knochen aufgenommen, wenn überhaupt, denn meist bleibt die Hälfte der Knochen einfach liegen, zumindest bei großen Beutetieren. Wenn nun die Elterntiere eher zuerst als zuletzt fressen, wie viele Knochen werden sie dann wohl aufnehmen und den Welpen hervorwürgen? Richtig, eher geringe Mengen. Die Nahrung von Wolfswelpen dürfte also eher phosphatüberschüssig sein als umgekehrt. Und im Wald steht kein Eierschalenpulver herum, um ein bestimmtes Ca:P-Verhältnis herbeizuführen.Auch hier sollte man sich also einfach an die BARF-Regeln halten und Knochen in angemessener Menge zuführen. Damit erreicht man dann auch ein Ca:P-Verhältnis zwischen 1,2 und 1:1. Das ist vollkommen in Ordnung.

Wenn die Pfoten ausdrehen, soll man mehr Calcium füttern

Durchtrittiger Welpe mit ausgedrehten Pfoten Im Wachstum kommt es, vor allem bei größeren Rassen, zwischenzeitlich vor, dass die Vorderpfoten „ausdrehen“. Man nennt dies auch Durchtrittigkeit. Dabei scheinen die Vordergliedmaßen im Bereich des Vorderfußwurzelgelenks nach außen abdriften – vor allem unter Belastung. Schmerzen zeigt das Tier in dem Fall nicht und wenn die Gliedmaßen sich in Ruhestellung befinden, das Tier also z. B. liegt, wirken die Beine gerade.

Leider wird in solchen Fällen regelmäßig empfohlen, das Ca:P-Verhältnis zu erhöhen oder allgemein mehr Calcium zuzuführen. Meist wird das mit Erfahrungsberichten unterlegt: „Als mein Welpe das hatte, habe ich Eierschale hinzugefügt und dann ging das weg.“ – eine solche Aussage ist kein Beleg dafür, dass die Pfoten wegen des zusätzlichen Calciums wieder gerade wurden. Es gibt zahlreiche anekdotische Erfahrungsberichte, in denen genau der umgekehrte Fall eintrat. Welpen mit ausgedrehten Vorderpfoten wurden von Trockenfutter mit sehr viel Calcium und einem Ca:P-Verhältnis von 1,2:1 und auf eine BARF-Ration mit weniger Calcium und einem Ca:P-Verhältnis von 1:1 umgestellt und auch in den Fällen wurden die Beine im Laufe des Wachstums wieder gerade. Vermutlich hat dieses Phänomen nichts mit dem Ca:P-Verhältnis zu tun, sondern verwächst sich von allein. Anders ließe sich nicht erklären, warum auch Hunde, die im gesamten ersten Lebensjahr das gleiche Trockenfutter bekommen, zwischenzeitlich ausgedrehte Vorderläufe haben können, die dann wieder gerade werden – auch ohne Anpassung der Calciumzufuhr und ohne Nahrungsergänzungsmittel wie Chondroitin oder Glucosamin. Auch im Falle ausgedrehter Vorderpfoten ist es daher sinnvoll, sich an das BARF-Konzept zu halten und die Mengen an Calcium, Phosphor und auch Vitamin D zuzuführen, die in einem Beutetier vorkommen. Der BARF-Rechner ermittelt die angemessene Menge an Knochen oder falls keine Knochen gefüttert werden sollen, an Knochenmehl.

Die bereits erwähnte Praktik, im Falle einer Durchtrittigkeit zusätzlich zur normalen Versorgung, weiteres Calcium zuzuführen, kann für das Tier nachteilig sein. Denn überhöhte Calciumgaben führen im Wachstum zu Skelettfehlentwicklungen.

Wann ist Durchtrittigkeit problematisch?

Nicht immer sind Deformationen der Gliedmaßen eine vorübergehende und unproblematische Erscheinung. Auch Erkrankungen wie Rachitis (ausgelöst durch einen Vitamin-D-Mangel) oder das s. g. Short Ulna Syndrome können sich derartig äußern. Bei letzterem schließen sich eine der beiden Wachstumsfugen der Elle (Ulna) vorzeitig. Dadurch kommt das Wachstum der Elle zum Stillstand, während die Speiche weiter wächst. Dies führt zu einer Deformation der Gliedmaßen, da die Speiche weiterhin mit normaler Geschwindigkeit wächst und schließlich gekrümmt und gedreht wird. Der Längenunterschied zwischen Speiche und Elle führt zu einer Inkongruenz der Gelenke (die Gelenkflächen passen nicht mehr aufeinander) und in der Folge zu Gelenkinstabilität, Schmerzen und Arthrose.

Der vorzeitige Verschluss der Wachstumsfuge ist in der Regel auf ein Trauma oder eine stumpfe Gewalteinwirkung zurückzuführen. Bei große Rassen kann der Zustand auch durch einen gestörten Knorpelstoffwechsel hervorgerufen werden. Darüber hinaus wird vermutet, dass eine Überversorgung (zu viel Calcium, Energie oder ein übergewichtiger Welpe) bei der Entstehung dieser Krankheit eine Rolle spielt, insbesondere bei Rassen, die genetisch prädisponiert sind, z. B. Irische Wolfshunde, Deutsche Doggen und Bassetts.

Sollte der Welpe sich verletzt haben und im Anschluss zeigt sich eine Durchtrittigkeit, so muss ein Tierarzt konsultiert werden. Denn es müsste ggf. operativ eingegriffen werden. Dies gilt natürlich auch für den Fall einer etwaigen Lahmheit oder anderen Hinweisen auf Schmerzen (z. B. starkes Belecken betroffener Gelenke). Auch wenn die Deformation ohne Belastung zu erkennen ist, ist der Gang zum Spezialisten zu empfehlen.

Quelle: Meyer/Zentek (2013): Ernährung des Hundes